Potenzialanalyse & Klimaschutzszenario
Die Energie- und Treibhausgasbilanz, das Potenzial zur Einsparung von Treibhausgas- (THG) Emissionen und die Entwicklung der THG-Emissionen bis 2045 wurden vom externen Dienstleister energielenker projects GmbH ermittelt. Am 01.09.2021 und am 13.10.2021 wurden die Ergebnisse im Ausschuss für Umwelt, Energie, Verkehr und Tourismus bzw. in der Ratssitzung öffentlich vorgestellt. Im Anschluss an den Vortrag, hat der Gemeinderat das Klimaschutzszenario als Grundlage zur Entwicklung des Maßnahmenkatalogs zur Erreichung der Klimaneutralität im Jahr 2045 beschlossen.
Bei der Potenzialanalyse wurden in erster Linie Einsparpotenziale in den Bereichen Private Haushalte, Wirtschaft und Verkehr sowie Potenziale im Ausbau erneuerbarer Energien im Gemeindegebiet betrachtet. Das Trendszenario „weitermachen wie bisher“ steht dabei dem Klimaschutzszenario „maximales Einsparpotenzial gegenüber. Die daraus resultierende sind in Tabelle 1 dargestellt.
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Trendszenario |
Klimaschutzszenario |
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Sanierungsquote 0,8% p.a. – 4,5% p.a. |
28 % saniert nach EnEV(GEG)-Standard |
69 % saniert nach KfW 40-Standard |
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Energieeffizienz in der Wirtschaft |
geringfügige bis keine Umsetzung der bestehenden Effizienzpotenziale |
Maximale Ausnutzung der Effizienzpotenziale |
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Strom |
Ca. 50 % EE |
100 % EE |
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Verkehr |
Fahrleistung Motorisierter Individualverkehr |
+ 2 % |
- 24 % |
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Fahrleistung Güterverkehr |
+ 20 % |
- 5 % |
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Anteil alternative Antriebe |
+ 9,7 % |
+ 62.6 % |
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Tabelle 1: Entwicklungen in der Gemeinde Schwanewede bis 2045 im Trend- sowie Klimaschutzszenario (Quelle: energielenker projects GmbH).
Private Haushalte
Im Sektor Private Haushalte liegen erhebliche Einsparpotenziale in den Bereichen Gebäudesanierung, Heizenergieverbrauch und Einsparungen beim Strombedarf. Das größte Potenzial im Sektor der privaten Haushalte liegt im Wärmebedarf der Gebäude. Durch die energetische Sanierung des Gebäudebestands können der Endenergiebedarf und damit der THG-Ausstoß erheblich reduziert werden. Abbildung 1 stellt die Einsparpotenziale von Gebäuden nach Baualtersklassen dar. Um die Ziele des Klimaschutzszenarios zu erreichen, müssten alle Bestandsgebäude bis zum Jahr 2045 auf einen Passivhausstandard (KfW 40) saniert werden, um ein Einsparpotenzial von 69 % zu erreichen.
Abbildung 1: Verteilung des flächenbezogenen Endenergieverbrauches heute und des Einsparpotenzials 2050 [kWh/m2] (BMWi, 2014)
Beim Strombedarf der Privaten Haushalte wird davon ausgegangen, dass die Haushaltsgeräte stetig durch neuere Geräte mit höherer Effizienz ersetzt werden. Die Entwicklung des spezifischen, durchschnittlichen Haushaltsstrombedarfs in der Gemeinde Schwanewede ist in Abbildung 2 dargestellt. Das hier berechnete Einsparpotenzial ist allerdings eine rein technische Betrachtung und wird stark von ausstattungsraten und vom Nutzerverhalten gesteuert.
Abbildung 2: Spezifischer Haushaltsstrombedarf in kWh pro Jahr und Haushalt im Gemeinde Schwanewede
Wirtschaft
In Abbildung 3 sind die Einsparpotenziale im Wirtschaftssektor (Industrie und GHD), basierend auf einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena), dargestellt. Das größten Einsparpotenziale im Gemeindegebiet liegen hier im Bereich der Raumwärme und der mechanischen Energie.
Abbildung 3: Energieeinsparpotenziale in der Wirtschaft nach Querschnittstechnologien (dena, 2014)
Verkehr
Der Sektor Verkehr bietet im Standort Schwanewede hohe Einsparpotenziale, kurzfristig Wirkungsgradsteigerungen konventioneller Antriebe und langfristig über einen Technologiewechsel auf alternative Antriebskonzepte (z. B. Elektro-Motoren, Brennstoffzellen) in Verbindung mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor. Potenzial liegt auch im Ausbau des ÖPNV sowie in der Änderung des Mobilitätsverhaltens hin zu Car-Sharing und Nutzung des Fahrrads. Die Berechnungen für die Gemeinde basieren auf einer Mobilitätsstudie des Öko-Instituts. Dabei wurden vorhandene Daten, wie z. B. zurückgelegte Fahrzeugkilometer und der Endenergieverbrauch des Straßenverkehrs ohne Autobahnanteil, verwendet. Des Weiteren werden für die Verkehrsmengenentwicklung und die Effizienzsteigerungen je Verkehrsmittel, Faktoren aus der Studie „Klimaschutzszenario 2050“ herangezogen. Basierend auf diesen Grundlagen wurden die Endenergiebedarfe und Endenergieeinsparpotenziale für das Trend- und das Klimaschutzszenario berechnet (Abbildung 4). Im Klimaschutzszenario sind die Endenergiebedarfe für den Sektor Verkehr bis 2045 auf 29,5 % zurückgegangen. Damit liegen die Einsparpotenziale bis 2045 im Klimaschutzszenario bei 70,5 %.
Abbildung 4: Entwicklung des Endenergiebedarfes für den Sektor Verkehr bis 2045 – Trend- und Klimaschutzszenario
Erneuerbare Energien
Die Potenziale im Bereich erneuerbare Energien liegen in Schwanewede insbesondere im Repowering von windkraftanlagen und dem Ausbau von Photovoltaik Anlagen, sowohl auf geeigneten Dachflächen als auch auf Freiflächen, z.B. entlang der A27. Neben der Stromerzeugung ist die Sonnenenergie auch für die Warmwasserbereitung durch Solarthermie geeignet. Ein Vier-Personen-Haushalt benötigt etwa 4-6 m² Kollektorfläche zur Deckung des Warmwasserbedarfes außerhalb der Heizperiode (Mai bis September). Insgesamt können so über das Jahr gesehen rund 60 % des Warmwasserbedarfes durch Solaranlagen abgedeckt werden. In sogenannten Kombi-Solaranlagen kann darüber hinaus, neben der Warmwasserbereitung, auch Energie zum Heizen der Wohnfläche genutzt werden.
Mögliche Entwicklungspfade zur Klimaneutralität in der Gemeinde Schwanewede
Wärmemix
Flüssiggas, Steinkohle, Braunkohle und Heizöl als fossile Energieträger fallen im Klimaschutzszenario bis 2030 weg. Zudem wird bis 2045 der Einsatz der fossilen Energieträger Erdgas sowie des Energieträgers Biomasse stark reduziert. Die fehlenden Energiemengen werden bis 2045 durch Umweltwärme, Nahwärme und Power to Gas (PtG) kompensiert. Daneben kommen bis 2045 vermehrt Sonnenkollektoren und Heizstrom/Power to Heat (PtH) zum Einsatz.
Abbildung 5: Zukünftiger Brennstoffbedarf im Klimaschutzszenario. PtG: Power to Gas; PtH: Power to Heat.
Kraftstoffbedarf
Der Endenergiebedarf im Verkehrssektor nimmt im Klimaschutzszenario um ca. 73 % ab. Benzin und Diesel spielen als Kraftstoffe bis 2045 noch eine wesentliche Rolle, jedoch steigt der Anteil der alternativen Antriebe ab 2030 auf 63 %. Im Klimaschutzszenario wird davon ausgegangen, dass die THG-Minderungen zwar auch über Effizienzgewinne, Veränderungen der Fahrleistung und verändertes Nutzerverhalten erfolgen. Allerdings spielt hier zudem der Energieträgerwechsel hin zu erneuerbaren Antrieben eine erhebliche Rolle.
Abbildung 6: Zukünftiger Kraftstoffbedarf nach Klimaschutzszenario_Verkehr
Erneuerbare Energien
Im Szenario der erneuerbaren Energien belaufen sich die EE-Potenziale im Jahr 2045 auf rund 288 % erneuerbare Energien am Strombedarf der Gemeinde. Damit könnte die Gemeinde Schwanewede auch den steigenden Strombedarf (z.B. E-Mobilität, Umweltwärme und vor allem für Power-to-X-Anwendungen) aus eigenen Quellen decken. Diesem Szenario liegen ambitionierten Ergebnisse und Annahmen der Potenzialanalyse zugrunde. Der Energieträger „Erneuerbare Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)“ setzt sich aus KWK Anlagen der Energieträger „Biomasse“ und der Rückverstromung von „Power-to-Gas“-Anlagen zusammen.
Abbildung 7: Entwicklung der erneuerbaren Energien in der Gemeinde Schwanewede im Maximalszenario
Endenergiebedarf
Im Klimaschutzszenario zeigt sich, dass bis 2030 (bezogen auf das Bilanzjahr 2018) 20 % und bis 2045 57 % des Endenergiebedarfes eingespart werden können. Die größten Einsparungen sind in den Bereichen Mobilität sowie Wärme und Warmwasser zu erzielen.
Abbildung 8: Entwicklung des Endenergiebedarfes nach Verwendung im Klimaschutzszenario
THG-Emissionen
Die Einsparpotenziale in der Entwicklung der THG-Emissionen stammen aus den vorangegangenen Potenzialanalysen. Die THG-Emissionen sinken laut dem Klimaschutzszenario von 2018 um 43 % bis 2030 und 91 % bis 2045. Das entspricht 3,5 t THG pro Einwohner und Jahr im Jahr 2030 und 0,6 t pro Einwohner und Jahr im Jahr 2045.
Abbildung 8: Entwicklung der Treibhausgasemissionen nach Verwendung im Klimaschutzszenario
![Verteilung des flächenbezogenen Endenergieverbrauches heute und des Einsparpotenzials 2050 [kWh/m2] (BMWi, 2014) Verteilung des flächenbezogenen Endenergieverbrauches heute und des Einsparpotenzials 2050 [kWh/m2] (BMWi, 2014) © energielenker projects GmbH](https://www.schwanewede.de/static/images/bilder/verteilung_des_flaechenbezogenen_endenergieverbrauches_-907004545-21070-11.webp?20211110124743)







